Wagenplatz in Wuppertal besetzt

aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank

Am Freitag den 14.04.2006 hat eine Gruppe von Menschen die seit Jahren ungenutzte Fläche am Mirker Bahnhof besetzt. Sie wollen dort ein alternatives und politisches Wohn- und Lebensprojekt unter dem Namen "Riss + Lücke" aufbauen und in dieser flexiblen Wohnform neue Wege des Zusammenlebens im Kollektiv leben.

In dieser Gesellschaft werden Menschen wie Arbeitslose, Hartz IV-EmpfängerInnen, RentnerInnen, MigrantInnen, Homosexuelle u.s.w. durch die herrschenden Verhältnisse ausgegrenzt und vereinzelt. Dies geschieht durch die kapitalistische Verwertungslogik, die Normung auf Geschlecht, Leistungsfähigkeit, etc, die nötig ist, um eben diese Verhältnisse aufrecht zu erhalten. Deshalb wollen die BesetzerInnen dem ein Leben in der Gemeinschaft entgegensetzen. Es soll ein für jedeN zugänglicher Raum entstehen, unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Ausrichtung, oder Herkunft.

Auch sehen sich diese Menschen mehr und mehr von der Prekarität und Perspektivlosigkeit (Studiengebühren, Ausbildungsplatzmangel, Mangel an frei zugänglicher Kultur und Bildung, etc.) bedroht. Auf dem Wagenplatz soll Kultur für alle jenseits des gesellschaftlichen Mainstream (wie z.B. politische Veranstaltungen, Workshops, Konzerte, etc.) selbstverwaltet organisiert werden, nicht nur zum Konsumieren, sondern zum aktiv Mitgestalten durch jedeN.

Wir würden uns über viele Unterstützer und Interessierte freuen. Mehr Infos unter:

Das Projekt "Riss + Lücke" fordert dieses ungenutzte Gelände für ein Wohn-, Arbeits- und Lebensprojekt zur freien Verfügung gestellt zu bekommen.

Für mehr Bauwagenplätze! Schluss mit Verwertbarkeit, her mit dem Leben!


Die BewohnerInnen des Projekts "Riss + Lücke"


Was bisher geschah

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde der Platz am Mirker Bahnhof, ein seit 15 Jahren ungenutztes Bahnhofsgelände in der Wuppertaler Nordstadt, ohne nennenswerte Zwischenfälle gegen 3:00 Uhr morgens besetzt. Der erste Kontakt zu Leuten aus der Nachbarschaft erfolgte recht schnell und war durchweg positiv. Gegen Mittag gab es dann den ersten Besuch von einer Polizeistreife. Aber auch dieses Gespräch verlief unproblematisch. Nach Fragen, ob wir dort campen würden etc., stellte sich heraus, dass sie von einem Nachbarn gerufen worden waren. Da es sich um Bahngelände handelt, sahen die Streifenpolizisten keinen Grund weitere Schritte einzuleiten. Nach einer Personalienfeststellung verschwanden diese wieder. Auch der Fabrikbesitzer, dessen Fabrik an den Platz angrenzt, und der die Polizei am Morgen gerufen hatte, zeigte sich nach einem Gespräch positiv beeindruckt. Am Samstag wurden zwei mutmaßliche Bahnbedienstete in der Nähe des Platzes gesehen, welche vermutlich mit der Zentrale telefonierten, allerdings hat zu diesen kein Kontakt stattgefunden. Seitdem ist von Seiten der Stadt oder der Bahn alles ruhig geblieben. Sonntagabend fand ein Filmabend mit ca. 40 Besuchern statt und am Montag Nachmittag wurden UnterstützerInnen und NachbarInnen zum gemütlichen Kaffeetrinken mit Waffeln eingeladen. Am Dienstag; dem ersten Werktag nach der Besetzung, suchten die Bewohner mehrfach ersten Kontakt mit der Bahn, um über eine Nutzung des Geländes zu verhandeln. Allerdings gelang es bislang nicht eine zuständige Person zu sprechen.

Heute Abend, Mittwoch 19.04.06, findet auf dem Platz eine Filmvorführung statt: Gezeigt wird unter anderem ein Film über Bauwagenleben. Für Freitagnachmittag um 17:00 sind Workshops angesetzt, Openspace Diskussionen (Thema: Libertäres Handeln in einer kapitalistischen Umwelt), Jonglage, Haarefärben, ect. Weiteres Programm wird folgen. Wer will, kann Schlafsachen mitbringen, Schlafraum gibt's genug.

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