Wagenneubau mit Erker

aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank


Inhaltsverzeichnis

Die Idee

Ursprünglich hatten wir die Idee mir einen brauchbaren alten Holzwagen zu kaufen und nach eigenen Wünschen auszubauen. Nach einer mehr oder weniger ausführlichen Recherche mussten wir jedoch feststellen, das halbwegs solide, bezahlbare Holzwägen gar nicht so einfach zu bekommen sind oder doch irgendwelche versteckten Macken haben. Und wenn man schon so viel Energie in den Ausbau eines Wagen steckt, wäre es doch ärgerlich wenn einem am Ende die Schwelle weggammelt, oder man auf andere gravierende Mängel stößt. Dann hat mir eine Bekannte die Dokumentation zu einem Wagen-Neubau hier auf Wagendorf gezeigt. Geboren war die Idee einen Holzwagen vom Gestell ausgehend neu aufzubauen. Inspiriert von vielen schönen Fotos wurden die ersten vagen Pläne geschmiedet. Die sahen dann in etwa so aus:




Die Dimensionen von der Sitzgruppe stehen natürlich in keinem Verhältnis zu dem tatsächlich in einem Wagen zur Verfügung stehenden Platz, aber die Idee von einem großen Erker der eine schöne Aussicht in die weite Landschaft garantiert war von vorn herein da.

Der Anfang

Irgendwie bin ich dann auf die dumme Idee gekommen für 100 € einen Schrottwagen zu kaufen und den alten Aufbau einfach abzureißen. Nächste mal würde ich auf jeden Fall etwas mehr ausgeben oder länger suchen und mit einem blanken Gestell anfangen.


Hier der alte Wagen an seinem ursprünglichem Standort:

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Ein Wunder, dass er den ersten Transport überlebt hat:

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Dann erstmal Stück für Stück den alten Aufbau zerlegen:

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Den ganzen Schrott schön säuberlich gestapelt:

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In Big-Bags verpackt und entsort:

Bild:WagenNeubau005.jpg


Das Gestell

Dann ging es ans Gestell. Irgendjemand muss mal die versteifende Unterkonstruktion dieses Wagens entfernt haben. Kein guter Gedanke bei dem zu erwartenden Gewichts des geplanten neuen Aufbaus. Zum Glück ist dieses DDR Gestell relativ häufig, so dass eine Vorlage zur Rekonstruktion leicht aufzutreiben war. Sicherheitshalber haben wir auch die Querträger, die den neuen Aufbau tragen sollen gegen eine solidere Variante ausgetauscht. Auch eine Umrandung aus Winkelstahl-Profilen und eine Erweiterung für den Erker wurden ergänzt. Außerdem wurde das ganze Gestell abgeschliffen und mit Rostschutz und Decklack behandelt.

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Rostschutz

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Hier das Gestell, mittlerweile an einem neuen Standort. Für die großzügig bemessene Unterkonstruktion als Stauraum wurde auch ein Rahmen geschweißt.

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Unterkonstruktion / Stauraum

Eine alte LKW-Plane als Wetterschutz während der Bauphase:

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Klappen für den Stauraum:

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Zwischen Holz und Metall wurden Streifen aus Dachpappe gelegt, damit Feuchtigkeit, die gerne am Metall kondensiert nicht dazu führt, dass das Holz vergammelt. Kondenswasser am Gestell konnte man bei Temperaturänderungen immer wieder beobachten und beim alten Aufbau war das Holz tatsächlich an vielen Berührungspunkten zum Metall besonders verrottet.

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Hier die Unterbodenplatte. Die ganze Unterkonstruktion besteht aus 18,5 mm Rauspund, der je nach Witterungsexponiertetheit 1 bis 3 mal mit Dauerschutz-Lasur behandelt wurde.

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Planung

Inzwischen werden die Planungen für den Aufbau detaillierter. Hier ein Holz-Modell zum ausprobieren verschiedener Varianten:

Bild:WagenNeubau018.jpg


Auch am Computer lassen sich viele Varianten durchspielen. Dazu wurde "Sweet Home 3D" benutzt. Diese Freeware ist meiner Meinung nach ein guter Kompromiss aus Funktionalität und einfacher Bedienbarkeit. Aus Platzgründen und aus Angst vor Feuchtigkeitsschäden wurde die Idee mit der Dusche aufgegeben. Da sich Nachwuchs ankündigt soll der Platz unter dem Hochbett, zwischenzeitlich als begehbarer Kleiderschrank gedacht, ein kleines Kinderzimmer werden.


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Erker

Die Doppelglasfenster für den Erker haben wir vor der Verschrottung gerettet. Sie stammen aus einem Café, sind gerade mal ein paar Jahre alt und sollten entsorgt werden, weil sie nach innen, anstatt nach außen aufgingen. Leider wurden die Rahmen beim Ausbau zersägt. Ein Zufallsfund, der perfekt zu unseren Erker-Plänen passte. Bei genauerer Betrachtung erwiesen sie sich jedoch als Problem, da sie ziemlich hoch sind und wir dicht an die Maximalhöhe von vier Metern kamen. Um die Höhe und die damit verbundene Gewichtszunahme zu reduzieren haben wir die Fenster in den zukünftigen Zwischenboden eingelassen und später ein paar Brettchen angesetzt, die aus den alten Rahmen geschnitten wurden. Da der Erker das Kritischste an der Konstruktion ist und die Höhe für die Rähm vorgibt wurde er zuerst gebaut.

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Rahmenkonstruktion

Dann folgte die Rahmenkonstruktion aus 58x58 mm aus Fichte/Tanne sägerau. Die Verbindungen wurden zunächst mit Metallwinkeln ausgeführt. Diese wurden später durch Lochbleche ersetzt. Letztere bilden geringere Wärmebrücken, da sie größtenteils in einer Wärme-Ebene liegen, also nicht in den Wänden liegen wie durchdringen wie die Winkel. Beim nächsten Mal würde ich aber lieber mit Holzverzahnungen arbeiten.

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Zur Versteifung bevor die Querverstrebungen eingesetzt waren kamen Spanngurte zum Einsatz:

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Die Schwelle wurde mittels dicken Bolzen mit dem Rahmen verbunden:


Die Dachbögen wurden aus einer 30mm starken Multiplex-Platte ausgesägt:

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Rahmenkonstruktion weitgehend fertig:


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Wandaufbau, Hinterlüftung und Dämmung

Außen eine diffusionsoffene Unterspannbahn. Darauf 20 mm Brettchen, die als Abstandshalter später die Hinterlüftung der Wand bilden.

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Auch beim Dach kommt eine Unterspannbahn und eine 20 mm starke Unterlüftung zum Einsatz. Das Dach ist aus 18 mm Rauspund (C-Sortierung). Im Prinzip reicht hier auch 12,5 mm, aber so ist es problemlos und begehbar und der Wagen kann später bei Bedarf noch um eine Dachterrasse erweitert werden ;-)

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Die Rahmenkostruktion von innen, inzwischen mit Lochblechen als Verbinder:


Für die Dämmung in Wänden, Boden und Decke wird 10cm Hanf verwendet. Um die Wärmebrücken durch die Rahmenhölzer in den Wänden zu reduzieren wird der Wandaufbau zweilagig, mit innen horizontal verlaufenden Leisten ausgeführt:

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Da die Hanfmatten in der Decke nicht so gut klemmen wie erhofft werden sie abgestützt:

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Fenstereinbau

Die Fenster wurden besorgt bevor die Rahmenkonstruktion des Wagens gebaut wurde, somit konnte die Fachbreite genau abgestimmt werden. Es wurde an allen vier Seiten ca. 2cm Abstand zum Ständerwerk vorgesehen. Beim Einbau wurden dann entsprechend große Holzklötze eingepasst. Das hatte den Vorteil, dass beim Ständerwerk weniger genau gearbeitet werden konnte und die 2cm Spalte lassen sich auch besser isolieren als eine feine Ritze. Die Fensterrahmen wurden nur an den Seiten festgeschraubt, und zwar mit langen Gewindeschrauben, die von außen durch die Pfosten und Holzklötze in die Fensterrahmen geschraubt wurden. In die Abstandsklötze wurde vorher ein großzügig bemessenes Loch gebohrt, damit sie sich nicht spalten. Die Anderen Klötze wurden lediglich fixiert damit sie nicht verrutschen.

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Das kleine Holzfenster mit Kreuz, vermutlich ein Konstruktionsmuster, war ein Glücksfund bei Ebay-Kleinanzeigen:

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Ein altes Dach-Fenster fürs Hochbett:

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Der Winddichte Abschluss außen mit der diffusionsoffenen Windbremse war relativ einfach mit doppelseitigem Spezialklebeband möglich, da die Außenseite der Fensterrahmen eine Ebene mit dieser bilden:

Bild:FensterWindbremse.jpg


Innen kommt eine Feuchte-Variable Klima-Membran als Dampfbremse zum Einsatz, die Verhindern soll, dass Feuchtigkeit vom Innenraum in die Wände kommt. Der Abschluss mit der Dampfsperre etwas komplizierter. Sie wurde an jeder der vier Kanten zweimal gefaltet und wieder mit dem doppelseitigem Klebeband am Festerrahmen fixiert. Da in den Ecken durch das Wegfalten Lücken entstanden, wurden diese mit kleinen Reststücken und einfach klebendem Klebeband (oder nur Klebeband) Luftdicht verschlossen:

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Dann wurden Leisten eingepasst und mit langen dünnen Schrauben befestigt, die später genau mit der Innenverkleidung abschließen. Eine Fensterumrandung (Blendrahmen?) innen wird später Seite der Leisten mit den Schraublöchern und den Übergang zur Innenverkleidung verdecken.

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Innenausbau


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Die Decke wird innen mit Pappel-Sperrholz 6 mm verkleidet. Die Wände mit 12,5 mm Profilholz Tanne/Fichte (A-Sortierung).

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Der zweite Winter, über den sich das Projekt erstreckt ist da.

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Elektro

Für die Elektro-Installation wurden entsprechende Kunststoff-Rohre in Wänden und Decke verlegt. Das ermöglicht flexible Änderungen in der Zukunft ohne alles wieder aufreißen zu müssen. Damit keine Feuchtigkeit vom Innenraum in die Wände kommt wurden spezielle Dosen mit Gummi-Membran verbaut, durch die die Rohre gestochen werden.

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In der Innenverkleidung wurden entsprechende Löcher ausgesägt und die Dampfbremse wurde so aufgeschnitten und mit Klebeband befestigt, dass sich ein möglichst guter Luftabschluss ergibt.

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Nach dem Einsetzen der Dosen wurden die vorher verlegten Rohre mit dem Finger, oder einem Metallhaken in die Öffnungen der Dosen gezogen:

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Boden

Auf den Unterboden eine diffusionsoffene Unterspannbahn, ähnlich wie an den Außenwänden. 10 x 4 cm Rahmenholz bildet die Fächer für die Dämmung.

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Die Dampfbremse der Wände wird im Bodenbereich fortgesetzt:

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Für den Boden wurde 21 mm Kiefer verlegt und mit Dielenschrauben verdeckt mit den Rahmeneinhölzern verschraubt:

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Transport

Der Wagen wechselt erneut seinen Standort. Erster Transport mit neuem Aufbau. Nur ein paar hundert Meter, aber über ziemlich unwegsames Gelände mit vielen Schlaglöchern.

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Da im Erker die Querverstrebungen fehlen wird für den Transport ein Holzkreuz eingesetzt. Außerdem wurden schon bei der Konstruktion Spanngurte um Schwellen und Rähm verbaut, so dass das Kreuz auf Stoß und Zug verspannt werden kann. Die Erker-Fenster sind zudem nur oben und unten mit dem Rahmen mit etwas Spiel verschraubt. Sie können sich also zueinander nach oben und unten leicht verschieben. Das soll die Übertragung von Kräften auf die Fenster vermindern, denen sie möglicherweise nicht standhalten würden.

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Fassade

Für die Fassade wird 15,5 mm Lärchen-Profilholz verwendet.

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Lärchenholz müsste man nicht unbedingt behandeln, da es von sich aus eine sehr hohe Wetterbeständigkeit aufweist. Wir haben es trotzdem lasiert, um das Vergrauen etwas zu verzögern.

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Die Verkleidung wurde mit Spenglerschrauben (A2 Edelstahl) befestigt.

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Bild:WagenNeubau065.jpg


Ofeneinbau

Zwei Porenbeton-Steine bilden die Durchführung für das Ofenrohr:

Bild:WagenNeubau056.jpg


Eine Aluminiumplatte verdeckt die wasserempfindlichen Porenbeton-Steine der Ofenrohrdurchführung. Das Senkrechte Außenrohr wird von einer selbst geschweißten Stützkonstruktion gehalten.

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Die Wände über dem Ofen werden durch Feuerfeste Gipsfaserplatten, die mit 10mm Hinterlüftung montiert worden sind gegen die Wärmestrahlung vom Ofenrohr geschützt. Im unteren Bereich kommt zusätzlich ein Aluminiumblech zum Einsatz, das mit einem weiterem Luftspalt vor die Gipsfaserplatten montiert wurde. Auch die Tür erhält einen Schutz gegen die Wärmestrahlung des Ofens, der gleichzeitig einen mit Dämmmaterial gefüllten Kasten bildet um die Isolation der Tür zu verbessern. Hinter dem Ofen bildet ein ca. 7 cm Starkes Kunststoffrohr eine Wanddurchführung die außen in der Hinterlüftung der Wand endet. Somit kann Frischluft angesaugt werden, die direkt gegen den Ofen bläst und sich dort erwärmt. Das verhindert Zugluft aus allen Ritzen.

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Blick in den fast fertigen Wagen:

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Dachversteifung

Zur weiteren Versteifung der Konstruktion wird auf dem Dach ein Kreuz aus Metallbändern befestigt. Zum Erhöhen der Spannung werden während der Montage Spanngurte verwendet.

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Straßentauglichkeit

Der Wagen soll nur selten bewegt werden und keine Zulassung bekommen. Bis 25 km/h ist das möglich, allerdings ist man selbst dafür verantwortlich die StVZO und FzV einzuhalten und die Sicherheit zu gewährleisten.

Für den ersten weiteren Transport (gut 300 km) wird er deshalb verkehrstauglich gemacht. Alle Fenster werden mit OSB-Platten verschraubt, Reflektoren an den Seiten, Geschwindigkeitsschilder sowie eine Lichtleiste werden montiert. Natürlich kommt wieder das Holzkreuz im Erker zum Einsatz:

Bild:WagenNeubau068.jpg


Mit vielen PS und 25 km/h geht es auf die erste weite Reise. Keine Zwischenfälle, die Konstruktion hat den Test bestanden.

Bild:WagenNeubau069.jpg


Angekommen

Angekommen an seinem neuen neuen Standort in guter Gesellschaft auf einem Bauernhof. Der Wagen ist bis auf die Küche, Regenrinnen, Fensterumrandungen und ein paar Bretter im oberen Bereich der Stirnseite fertig. Bald werden wir einziehen. Ein paar Wochen haben wir ihn schon am alten Standort bewohnt. Abends den Ofen kurz angemacht hält er die Wärme trotz Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt relativ gut. Am nächsten Morgen war es dann drinnen selten kälter als 15 Grad.

Bild:WagenNeubau071.jpg


Bild:WagenNeubau072.jpg


Letzte Details

Regenrinne und Eckleisten:

Bild:Erkerwagen regenrinne.jpg


Küche

Bild:Erkerwagen küche.jpg

Bild:Erkerwagen Wohnküche.jpg

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