Vom Rüstwagen zum Reisewagen

aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank

'Sylvie - ich muss da noch was abflexen' der Umbau verfolgt mich bis in die Träume...
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'Sylvie - ich muss da noch was abflexen' der Umbau verfolgt mich bis in die Träume...


Über die Kleinanzeigenrubrik im alten Wagendorf habe ich einen alten Ackermann Anhänger gefunden. Er diente vorher einem Schausteller als Packwagen. Mir ging es bei der ganzen Sache darum einen authentischen Umbau zu machen, also keinen LAK oder Absetzbehälter draufzupacken sondern einen Aufbau rauszusuchen der optisch gut zum LKW passt. Außerdem will ich mir offenhalten das H-Kennzeichen zu behalten. Das besondere ist bei mir, dass ich keinerlei Angaben über Maße, Aufbauart und Farbe in meinem Brief oder Schein eingetragen habe. Ich will also so tun, also wenn der LKW schon immer so gewesen wäre. Genau: ich wollte einen Einsatzleitwagen/Funkwagen/Atemschutzwagen der Feuerwehr nachbauen. Diese wurden allerdings nur auf ein Mercedes Rundhauber Fahrgestell gebaut (um bei zeitlich gleichen Baujahren zu bleiben).

Flexscheibenverbrauch insgesamt: 60 kleine, 10 große...
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Flexscheibenverbrauch insgesamt: 60 kleine, 10 große...

Zuerst musste der alte Kofferaufbau runtergeflext werden. Ich wollte dabei drauf achten alles vorsichtig zu entfernen, um die einzelnen Teile später wieder verwenden zu können. Da es in den Aufbaurichtlinien für Feuerwehrfahrzeuge eine Difinition des Begriffes 'Feuerwehrrüstwagen' gibt (welches als Fahrzeugtyp in meinem Schein angegeben ist), will ich zumindest ein Rolltor wieder einbauen, um nicht zu weit von den Richlinien wegzugehen. Später wird darüber der Generator zugänglich sein, ebenso die 50m Drehstromkabel, Gasflasche, Batterien für den Aufbau, Betriebsstoffe, Wassertank uvm.

Als neuen Aufbau hatte ich mir einen alten Ackermann Anhänger besorgt, der als Packwagen in einem Schaustellerbetrieb eingesetzt war. Ursprünglich wollte ich einen Aufbau mit den selben Breitemaßen wie der Rüstkoffer (2,45m), um einerseits viel Platz Innen zu haben, andererseits um nicht den Aufbaurahmen der Feuerwehr verschmälern zu müssen. Übers Internet fand ich schliesslich einen Hänger der meinen Vorstellungen entsprach, nachdem ich 700km zur Besichtigung mit der Feuerwehr gefahren war, stellte sich jedoch raus, dass der Hänger doch nicht 2,45m breit ist, sondern nur 2,27m - schöne Verarschung! Da ich jedoch nicht das Geld habe um mir mehrere Hänger einfach so anzuschauen und dazu unter Zeitdruck stand - Ich hatte mir den Januar und den Februar extra für den Umbau freigehalten, zögern hätte einen erheblichen Zeitverlust bedeutet - habe ich den Hänger trotzdem genommen.

Ziel dieses zweiten Abschnitts war den Aufbaurahmen der Feuerwehr an die Maße des Ackermann Hängers anzupassen. Ich habe also den Aufbaurahmen zwei Mal auf beiden Seiten in Längsrichtung durchgeschnitten, und so den Rahmen um 2x 7,5cm verschmälert. Dank der Hilfe meines Freundes Maik, gelernter Schlosser, und seiner Werkstatt konnte ich alle Schweißarbeiten professionell durchführen. Der Rahmen wurde nach dem Schnitt wieder ausgerichtet und zusammengeschweißt, außerdem hat mein Schweißchef einige Nähte mit zusätzlichen Laschen verstärkt um diese nicht zu Sollbruchstellen zu machen.

die Alubeplankung war vom Kontakt mit dem Stahltürstock gut angegammelt
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die Alubeplankung war vom Kontakt mit dem Stahltürstock gut angegammelt

Einige von euch haben sich bestimmt gefragt, warum ich nicht den Rahmen des Aufbaus genommen habe, und ihn auf die Feuerwehr gesetzt habe. Drei Hauptargumente haben mich zu diesem Aufwand gebracht: Erstens war der Aufbaurahmen des Anhängers in einem sehr schlechten Zustand, ebenso die Verbindungen des Rahmens mit dem Aufbau. Eine Restauration wäre sehr aufwendig gewesen. Zweitens hätte ich neue Träger einschweißen müssen, da der Rahmen natürlich nicht perfekt auf den Hauptrahmen der Feuerwehr gepasst hätte. Drittens wollte ich unter der Gesamthöhe von 3,4m bleiben. Der Aufbau hatte jedoch bereits von Oberkante Rohboden bis Oberkante Dachträger 2,30m, mit Rahmen und Feuerwehr wäre ich da schon bei 3,50m. Dazu kommt später allerdings noch die Höhere Bereifung (ca. +5,5cm) und eine Dachterrasse (ca. 6-15cm). Ich hätte also auch auf diesem Weg die Höhe des Aufbaus verringern müssen.

Da der Türbogen und das anschließende Blech ziemlich rott waren habe ich den Stock komplett ausgebaut, abgeflext, geflickt, grundiert und wieder eingebaut nachdem die Länge des Aufbaus gekürzt worden war.

Nachdem der Aufbaurahmen der Feuerwehr an die Breite des Anhängeraufbaus angepasst worden war, musste nun der Aufbau an die Länge des Feuerwehraufbaus angeglichen werden. So habe ich 50cm von der Länge des Ackermannaufbaus abgeschnitten und danach die Tür wieder aufgesetzt.

Der Aufbau sitzt und der erste Kellerkasten ist montiert
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Der Aufbau sitzt und der erste Kellerkasten ist montiert

Nachdem Länge und Breite aufeinander angepasst waren fehlte nur noch die Höhe: also habe ich den Koffer auf der gewünschten Höhe – für später 2,0m innen – rundum abgeschnitten. Da die Beplankung seitlich an den Rahmen anschlagen sollte, das Ständerwerk jedoch oben aufstehen sollte, musste ich nachträglich noch ein Stück des Stehers zurückschneiden, ohne die Beplankung zu beschädigen.

Zum Umsetzten des Aufbaus hatte ich vor Ort leider keinen Kran zur Verfügung, und ein Transport an einen passenden Ort hätte einen noch höheren Aufwand bedeutet. Deswegen habe ich mit Hilfe der vor Ort vorhandenen Kräfte (vielen Dank an den kompletten ‚Schusterhof’) den Koffer zuerst vom Anhängerfahrgestell auf Böcke gehoben. Von der Position aus konnten dann die Steher des Aufbaus nachgeschnitten werden um das Blech außen anschlagen zu lassen. Von dieser Position aus haben wir – es waren insgesamt 10 Leute die den Alukasten verhoben haben – die ganze Chose auf die Feuerwehr gesetzt (eigentlich trifft es ‚gewuchtet’ besser...). Natürlich mit Hilfe von einigen Hebeln und Zugmöglichkeiten.

und der zweite folgt zugleich... (2 Tage Arbeit pro Kasten)
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und der zweite folgt zugleich... (2 Tage Arbeit pro Kasten)

Und, man glaubt es nicht, nachdem ich einen Monat draußen gearbeitet hatte ohne erwähnenswert von Schnee (der lag schon vorher) oder Regen belästigt worden war, kaum war der Koffer aufgesetzt, schon setzte heftiges Schneetreiben ein!

Im Hintergrund vom Bild kann man das Fahrgestell des alten Anhängers erkennen. Von dem blieb das Fahrwerk, der Boden und die Stummel des Aufbaus zurück.

Felix und Maik beim Befestigen des Aufbaus
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Felix und Maik beim Befestigen des Aufbaus

Ein großes Thema bei dem ganzen Umbau war die Verbindung Stahl-Alu. Da der komplette Ackermannaufbau aus Alu ist (Ständerwerk wie auch Beplankung) konnte ich dieses Detail nicht umgehen. Nachdem ich mich bei verschiedensten Stellen schlau gemacht hatte habe ich die Details folgendermaßen ausgeführt: Verbindung des Ständerwerks des Aufbaus mit dem Aufbaurahmen der Feuerwehr durch seitlich auf die Ständer aufgeschraubte Laschen, welche an den Rahmen geschweißt sind. Der Kontakt der beiden Metalle wird durch Filzeinlagen verhindert, die Sicherung erfolgt mittels Sechskantschrauben, A2, M10x75mm die in einer Gummihülse stecken. Die Stabilität wird also nur durch Klemmung gewährleistet. Dazu Stoppmutter und Neoprenbeilagscheiben. Verbindung der Alu-Beplankung auf den Stahl-Türstock mittels Alunieten. Zwischen Stock und Beplankung eine Lage Gummi zur Abdichtung und Kontaktverhinderung. Kontaktverhinderung und Abdichtung mittels eines Gummistreifens (alter Fahrradschlauch). Verbindung der Alu-Beplankung auf den Stahl-Aufbaurahmen der Feuerwehr mittels M6x20 Senkkopfschrauben, Gewinde in den Rahmen geschnitten, die Beplankung wird mittels einer Stahlleiste auf den Rahmen geklemmt. Zwischen Aufbaurahmen und Beplankung eine Lage Gummi, und zwischen Deckleiste und Beplankung eine Lage Gummi.

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Um den Lichtmast zu stabilisieren habe ich eine neue Unterkonstruktion hinter der linken Tür gebaut, die damit verschlossen wurde.

Die Kellerkästen wollte ich behalten, deswegen musste ich beide um 30cm verkürzen (damit die nicht über die vordere Rundung des Koffers überstehen, der Feuerwehraufbau war eckig). Außerdem mussten beide um, wie der Aufbaurahmen auch, 7,5cm verschmälert werden. Bei der Gelegenheit bin ich auf jede Menge Rost gestoßen, so dass ich bei einer Tür den unteren Träger austauschen musste. Wenn ich mal wieder Zeit und Muße habe, werde ich entweder beide richtig restaurieren, oder mir Neue bauen. Der rechte wird jetzt beim Umbau auf Pflanzenöl wohl nur als Träger des Zweittanks dienen.

neue Radkästen
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neue Radkästen

Durch die Rundung des Ackermannkoffers musste ich nicht nur die Kellerkästen verkürzen, der Aufbaurahmen der Feuerwehr passte deshalb auch nicht mehr in den beiden vorderen Ecken. Deshalb habe ich beide Ecken im Radius der Rundung rausgeschnitten und eine Innenecke draus gemacht, das Eckstück also geschwenkt wieder eingebaut.

Beim Verschmälern des Aufbaurahmens sind die Spritzschutzbleche der Radkästen bis auf einen cm Abstand an die Bereifung gerutscht. Hinzu kommt, dass ich vor habe den LKW auf Einzelbereifung umzurüsten, was eine Erhöhung und Verbreitung der Reifen und bedeutet. Aus diesen Umständen hinaus konnte ich also die alten Radkästen nicht behalten. Nach ein paar Stunden stöbern in Fotos alter LKWs habe ich mich für eine Variante entschieden, die den Radläufen einer Magirus-Rundhauber Feuerwehr ähneln soll. Die Radläufe sollen also sichtbar im Koffer versenkt sein. Maik, mein Schlosser, hat Bögen eingeschweißt die statt dem außen laufenden Rahmenträger die tragenden Funktionen übernehmen. An denen konnte wiederum der drüber laufende Steher des Aufbaus festgemacht werden. Im aktuellen Zustand steht noch ein Teil der alten Radkästen, da die Zwillingsbereifung noch aufgezogen ist. Nach der Umrüstung werden diese Teile weggeschnitten.

Boden is drinnen
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Boden is drinnen

Um den Koffer nach unten hin abzuschließen habe ich einen Rohboden reingelegt. Nut- und Feder Bretter, Kiefer, 30mm stark, mit der Sichtseite nach unten. Beim Einbau sind sie mit Unterbodenschutz bestrichen worden um den Koffer nach unten hin dicht zu machen. Die Befestigung ist mit 5x50er Schrauben, Fräskopf, Teilgewinde (vorgebohrt und angesenkt) in den Aufbaurahmen ausgeführt.

Ich glaube es gibt wenige die sich eine solche Arbeit machen, es grenzt wohl an Irrsinn. Das Ergebnis kann sich allerdings sehen lassen – finde ich. Es gibt noch viele Optische Arbeiten auszuführen, aber nach 2 Monaten Arbeit bei –5 bis –15 Grad und täglich 8 bis 19 Stunden ist zumindest der Großteil des Rohbaus fertig. Die Proportionen sind ästethisch - Koffer und Fahrgestell passen super zusammen.

sauber und schon in Italien...
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sauber und schon in Italien...

Nachdem ich den Aufbau mal komplett mit einem Kärcher abgespritzt hatte, ist die weiße Farbe ein bischen besser rausgekommen. Die Wände werden rot lackiert wenn wieder Geld in der Kriegskasse ist, das Dach wird weiß (um die Sonne ein wenig zu reflektieren).

In Kürze werde ich das Rolltor für den Generator einbauen. Außerdem wird die Treibstoffversorgung gerade auf Pflanzenöl umgestellt! Ich verwende ein Zweitanksystem. Es soll noch eine Tür auf der Beifahrerseite in den Koffer und natürlich diverse Fenster um möglichst viel Licht in den Innenraum zu bringen.


Vielen Dank an Euch alle!!

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