Sehnsucht nach Freiheit

aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank

Alles begann im Juni 2001.

Ich war 19 Jahre alt, mit der Schule fertig und hatte in meiner Freizeit meist nichts besseres zu tun als Abends auf meiner alten Wolldecke am Ortsrand auf ner Wiese ("Das Feld") zu liegen in den Himmel zu schauen und diese unendliche Stille zu genießen.

Bald stellste sich heraus, dass meine Leidenschaft von ein Paar anderen Verrückten geteilt wurde, die später gute Freunde von mir wurden. Wir verbrachten hier unendlich viele Abende, machten Lagerfeuer, köpften die ein oder andere Flasche Wein und lauschten den Klängen von Pink Floyd und Led Zeppelin, die aus dem Radio des Käfers von Scotti erklangen. Die süßen Sommernächte vergingen und es fühlte sich an, als könnte ich an keinem Ort der Welt freier sein. Das Leben war so leicht und unkompliziert hier. Oft schlief ich einfach den Sternenhimmel betrachtend in meinem Bulli mit offener Heckklappe ein. Mir gefiel diese Romantik.

So verging der Sommer und der Herbst stand vor der Tür. Wir wollten es nicht wahr haben, aber wir hatten ein Problem. Wie sollte es weiter gehen. Den Winter konnten wir hier nicht verbringen.

Nach ein Paar Tagen des Rätselratens kam einem der Jungs dann die zündende Idee. Er erzählte uns, dass sein Vater in einem nahegelegenen Tal ein Grunstück besaß, auf dem zwei Bauwägen ständen, die er mal günstig erworben, aber nie gebraucht hätte. Nach der ersten Ortsbesichtigung und einer kurzen Unterredung mit dem Vater war unsere Vision gebohren.

Die beiden Wägen sollten verheiratet werden. Der Erste war ein etwas größerer Toilettenwagen, der Zweite ein ganz normaler Bauwagen. Wir stellten beide bündig zusammen, brachten sie aufs gleiche Niveau, verschraubten sie und machten nachdem Beide entkernt wurden einen Durchbruch. Nachdem wir den Boden mit Blechen auslegten und mit PVC bezogen hatten, isolierten wir die Wände mit Rockwool und nagelten eine Nut- und Feder Lattung drüber. So langsam nahm unser Projekt Formen an. Der Winter konnte kommen. Nachdem jeder nocheinmal seine Verwandschaft nach alten Möbeln abgeklappert hatte, waren wir bald nicht nur Wagenbesitzer, sonder auch Eigentümer von Eckbank, Tisch und Stühlen, sowie einer Bar aus Carstens Partykeller. Ein kleiner Hüttenofen rundete unsre Ausstattung ab. Nachdem die wichtigsten Arbeiten erledigt waren, mussten wir Holz für den Winter besorgen. Das war ab diesem Zeitpunkt unsere Hauptbeschäftigung.

Dann kehrte Ruhe ein. Die Jahreszeit wechselte und es wurde lansam kalt. Wir trafen uns wieder jeden Abend hier, heizten unseren kleinen Ofen ein und waren der Freiheit wieder so nah. Wenn ich es mir recht überlege, war das wohl der Ort an dem ich am besten abschalten konnte. Ab vom Schuss, kein Autolärm, nur die Stille des Tales und des nahegelegenen Waldes. Am besten waren die Nächte an denen der Schnee im Mondschein funkelte und glitzerte und wir bei Kerzenlicht in unserem Bauwagen saßen und dem Holzfeuer zuhörten, dass im Ofen prasselte. Morgens,wenn wir die Nacht mal wieder auf einem Feldbett verbrachten, öffneten wir die Tür und der Nebel zog seicht durchs Tal. Ich befürchte ich bin zu wenig Schriftsteller um meine Eindrücke hier so zu schildern, dass Ihr fühlt, was ich fühle. wenn ich mich daran erinnere. Jetzt, da ca. 8 Jahre vergangen sind, jeder sein berufliches Fortkommen angestrebt hat und ich ungefähr 450 km weit weg wohne, gibt es nichts auf der Welt, nachdem ich mich mehr sehne als diese Zeit zurück zu holen.

Meine Sehnsucht nach dieser Freiheit.

Ich bete zu Gott, dass ich noch einmal in meinem Leben die Chance bekomme, meinem Alltag zu entfliehen und wieder so ein kleines Domizil des Rückzugs haben kann. Genießt jeden Tag.

Euer Nico

'Persönliche Werkzeuge