Restauration eines Holzbauwagens
aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank
Hallo, der Verfasser des folgenden Textes (Nico) besucht die 8.Klasse Waldorfschule, ist 13 Jahre alt und hat als 8-Klass-Arbeit ein halbes Jahr lang einen alten Holzbauwagen restauriert, (mit Hilfe von Mama und Papa) Ich finde das Ergebnis hammergeil, darum setz ich's hier mal rein um auch Euch damit zu erfreuen. Anne
„Restauration eines Holzbauwagens“
Der Holzbauwagen ist cirka 30 Jahre alt und stammt aus Leipzig. Er ist 8 Meter lang und 2,40 Meter breit. 20 Prozent des Außenholzes waren morsch. Der Bauwagen war gelb lackiert, wobei der Lack an vielen Stellen abblätterte. Das Dach war spitz und mit löchrigem Zinkblech verkleidet. Mein Plan war es, das Naturholz des Bauwagens wieder sichtbar zu machen und statt des spitzen Daches ein Runddach mit Oberlichtern zu bauen.
Holzbearbeitung
Zunächst besserte ich die morschen Stellen der Holzpaneele aus. Da es die schmalen Holzpaneelen im Fachhandel nicht gibt, sägte ich an zwei Stellen Fensteröffnungen in den Wagen. Das herausgesägte Holz verwendete ich für die morschen Stellen. Dann baute ich die Fenster ein.
Ein altes Fenster hatte ich vorher auf dem Flohmarkt gekauft, das zweite baute ich selbst. Nachdem ich alle Ritzen, Fugen und Löcher des Wagens mit Dichtmasse und Holzkitt abgedichtet hatte, begann ich, den Wagen abzuschleifen. Als Erstes versuchte ich, den alten Lack mit einem Heißluftföhn abzuschmelzen. Das ging nicht gut und es entstanden unangenehme Dämpfe. Dann versuchte ich es mit einem Flammenwerfer...hatte aber zu große Angst, dass der ganze Wagen abbrennt. Schließlich nahm ich zum Abschleifen eine Flex mit Drahtbürstenaufsatz. Das Schleifen dauerte etwa 4 Wochen und war sehr mühselig.
Die Lackierung
Während des Schleifens beschloss ich, nicht den gesamten Lack bis aufs Naturholz abzuschleifen, sondern den Lack nur so weit anzuschleifen, dass ich ihn überlackieren könnte. Kurz vorher hatte ich mit meiner Klasse eine Emil Nolde Ausstellung besucht und ein Bild hatte mir sehr gut gefallen. Darum überlegte ich mir, dass ich auf jede der 4 Seiten des Wagens ein Bild malen wollte, als erstes das Emil Nolde Bild. Ich fuhr in die Stadtbücherei und suchte nach dem erwählten Emil Nolde Bild. Tatsächlich fand ich es sehr schnell bei den expressionistischen Kunstbänden. Zudem fand ich ein August Macke Bild, welches mir auch sehr gut gefiel und welches ich auf die rechte Längsseite des Wagens malen wollte. Im Baumarkt kaufte ich offenporige Acrylfarben. Die Motive zeichnete mir meine Mutter mit Kreide auf den Wagen und gab mir Hilfestellung beim Ausmalen. Das Malen der ersten beiden Seiten dauerte Wochen. Während des Malens überlegte ich mir, dass ich auf der kurzen, dritten Seite gerne etwas Dreidimensionales bauen würde. An einem verregneten Wochenende baute ich den Adlerkopf aus Holz, Pappmaschee und Draht. Das Malen des Adlerbildes ging sehr schnell. Danach fiel mir überhaupt kein Motiv für die letzte Längsseite ein. Bei Internetrecherchen fand ich zufällig das Bild eines Aquädukts aus Frankreich, dem Pont du Gard. Ich hatte mein letztes Motiv gefunden. Das Malen dieses Bildes dauerte noch mal sehr lange.
Das Dach und die Lichtleiste
Die Wochenenden verbrachte ich bei meinem Vater in seiner Holzwerkstatt und sägte die Rundbögen für das Dach und die Rahmen der Lichtleiste. Aus statischen Gründen bauten mein Mentor und ich die Lichtleiste nicht in das Runddach, sondern darunter. An einem sonnigen Wochenende rissen wir das alte Dach ab und bauten auf die angeschraubten Rahmen der Lichtleisten die Rundbögen des neuen Daches. Auf den Rundbögen befestigte ich mit Unmengen von Schrauben längs lange Latten. Darauf legte ich ein Flies und darüber kam eine LKW-Plane, die an den Rändern mit zwei Leisten befestigt wurde. Nun fehlten nur noch die Glasscheiben der Lichtleiste. 34 Scheiben wurden von mir eingesetzt und mit insgesamt 272 handgesägten, vorlackierten Viertelstäben beidseitig befestigt. Ich schoss die Viertelstäbe mit einer Hochdrucknadelpistole an die Rahmen.
Resümee
Ursprünglich wollte ich den Wagen auch von Innen fertig bekommen. Das war zeitlich aber nicht zu schaffen. Wenn die Innenarbeiten abgeschlossen sind, möchte ich in den Wagen einziehen. Die Restauration eines Holzbauwagens war viel mehr Arbeit, als ich gedacht hatte. Noch mal würde ich das nur machen, wenn das Außenholz und die Außenlackierung in Ordnung wären oder ich komplett neue Außenwände hochziehen könnte. Gut fand ich die Tatsache, das während der Arbeit immer neue kreative Ideen entstanden. Mein herzlicher Dank gilt meinen Eltern und allen, die spontan stundenweise geholfen haben.



