Internet Zugangsmöglichkeiten

aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank

Für alle leidgeplagten Landbewohner die weitab der Zivilisation einen Internetanschluss benötigen

habe ich hier mal ein paar Punkte zusammengetragen:

- Internet über eine Telefonleitung

pro:
- funktioniert relativ störungsfrei mit konstanter Qualität
- unabhängig vom Wetter und anderen äußerlichen Einflüssen
contra:
- relativ teuer
- nicht überall realisierbar
- im ländlichen Bereich oft auch nur mäßige Geschwindigkeit
- lange Vertragslaufzeiten
- auf fremden Gelände meist nicht realisierbar
- Leitungen müssen vorhanden sein bzw verlegt werden
benötigte Hardware:
- Telefonanschluss
- Router

- Internet komplett über Satellit

pro:
- geographisch unabhängig (auch in der letzten Pampa verfügbar)
contra:
- langsam
- teuer
- Ausrüstung teuer
- wetterabhängig
benötigte Hardware:
- uplinkfähige Satellitenanlage
- Satellitenmodem

- Internet Downlink über Satellit

pro:
- geographisch unabhängig (alternativer Internetzugang vorausgesetzt)
- Ausrüstung relativ günstig
contra:
- teuer
- Uplink über alternative Internetverbindung (Handy etc) nötig (zusätzliche Kosten)
benötigte Hardware:
- Handelsübliche Satellitenschüssel mit Digital-LNB
- DVB-S Empfangseinheit
- zusätzliche Internetverbindung für den Uplink

- Internet über W-LAN

pro:
- günstig
- schnell
contra:
- nicht überall verfügbar
- nur für übersichtliche Distanzen
benötigte Hardware:
- W-LAN Emfpangseinheit (Stick/Einsteckkarte)
- evtl W-LAN Repeater zur Reichweitenerhöhung

- Internet über UMTS/LTE

pro:
- schnell
- ortsunabhängig
contra:
- nicht überall verfügbar
- oft nur lange Vertragslaufzeiten
- oft wenig Datenvolumen
benötigte Hardware:
- UMTS / LTE Empfangseinheit (Stick/Handy/Router)
- SIM-Karte

Wie Ihr seht ist es oft gar nicht so einfach überhaupt einen funktionsfähigen Internetanschluss zu bekommen ganz abgesehen von der Geschwindigkeit. Ein Festanschluss fällt meist Aufgrund der langen Vertragslaufzeit oder an dem schlichten "Nichtvorhandensein" des Anschlusses raus. Wer einen Zugang über Satellit in Erwägung zieht sollte sich mal auf der Seite von SkyDSL (www.skydsl.eu) umschauen. Dort werde verschiedene Tarife inkl passender Hardware angeboten. Man sollte allerdings beachten das eine Satellitenverbindung genau wie UMTS/LTE ein Shared-Medium ist. Es teilen sich alle angemeldeten Benutzer die vorhandene Bandbreite und die ist auch bei einem Satelliten nicht unendlich (um genau zu sein eher sehr mager) Daher ist dort bei der Formulierung "bis zu XXkbit" noch mehr Vorsicht geboten wie bei allen anderen Angeboten.

kommen wir nun zum W-LAN:

Falls Ihr in der glücklichen Lage seid das Euer Nachbar einen Internetanschluss besitzt und den auch mit euch teilen würde aber eine direkte Anmeldung an seinem W-Lan nicht möglich ist (aufgrund der Entfernung) hab ihr noch ne Chance trotzdem im trockenen zu Surfen. Die technisch eleganteste Möglichkeit ist natürlich von seinem Router ein Kabel zu euch zu legen. Bei normalem Ethernetkabel ist zu beachten das die maximale Länge 100m nicht überschreiten darf, also lieber etwas darunter bleiben. Ansonsten gibt es die möglichkeit für relativ kleines Geld 2 optische Übertrager zu verwenden und die Strecke mit Glasfaserkabel zu überbrücken. Bei den günstigen Übertragern sind Kabellängen bis 500m problemfrei zu bewältigen. Am Ende des Kabels kommt entweder direkt euer Laptop oder ein W-Lan Repeater und ihr könnt auch euer Handy, Tablet, was auch immer betreiben. Für die Situation das kein Kabel gelegt werden kann besteht die Möglichkeit das W-Lan des Spenders selbst "anzuzapfen" dafür ist bei kurzen Distanzen ein sogenannter Repeater nötig. Dieses Gerät wird per Funk an dem W-LAN Router eures Nachbarn angemeldet und wirkt wie ein Verstärker. Euer Gerät sendet die Daten an den Repeater und der wiederum leitet die Daten an den Router bei eurem Nachbarn weiter. Vorteil ist es ist ausser einem Stromanschluss für den Repeater keine weitere Installation nötig. Nachteil: Die Reichweite kann maximal verdoppelt werden. Sprich der Repeater muss immer Kontakt zum Router und zu dir haben. Das ergibt unter Laborbedingungen 600m und unter Realbedingungen oft deutlich weniger (und wenn ich sage deutlich meine ich das auch). Viele Router/Repeater schaffen selbst im freien Feld noch nichtmal ansatzweise die 300m des theoretischen Maximums. Als zusätzlicher Nachteil muss gesagt werden das die Verbindung über einen Repeater immer eine halbierung des möglichen Datendurchsatzes zur Folge hat. Die Daten müssen ja immer erst vom Repeater emfpangen werden um sie an den Laptop bzw Router weitergesendet zu werden. Diese ganze Geschichte klappt aber nur wenn am Standort des Repeaters ein aussreichend großes Signal vorhanden ist. Was tut man denn nun wenn die Distanz einfach zu groß ist? Ganz einfach in dem man ein Richtfunkstrecke aufbaut. Das hört sich jetz komplizierter an als es in Wirklichkeit ist. Eine normale W-Lan Antenne sendet ihr Signal in die Runde (ähnlich einer Glühbirne ohne Lampenschirm). Das ist zwar ganz nett aber in unserem Fall nicht wirklich hilfreich. Viel günstiger wäre es die abgestrahlte Energie zu bündeln um sie wie mit einem Brennglas auf einen Punkt zu konzentrieren. Der Erfolg ist das die Energie die vormals einfach ungenutzt nach "hinten" weggesendet wurde nun zu einem "strahl" gebündelt wurde. Dieser "Strahl" wird nun auf den Router des Nachbarn gerichtet und der empfängt mitmal ein deutlich "helleres und deutlicheres" Signal. Das ganze funktioniert relativ einfach durch eine passende Antenne. Es gibt verschiedene Richtantennen für diesen Zweck. Man kann sie für bei Ebay oder im Fachhandel kaufen oder auch mit relativ einfachen Mitteln selber bauen. Von Ebay kann ich nur abraten da dort sehr viel "Plunder" verkauft wird und vom Laien die Qualität nicht oder nur sehr schlecht eingeschätzt werden kann. Der Fachhande wird in der Regel qualitativ hochwertige Artikel anbieten, allerdings natürlich zu entsprechenden Preisen. Bleibt für den kleinen Geldbeutel eigentlich nur der Selbstbau. Es gibt im Netz viele gute Anleitungen um aus einer leeren Konservendose und nem Stück Antennenkabel eine recht passable Richtantenne zu bauen. Einfach mal nach "Konservendose", "W-LAN Antenne" und "Bauanleitung" suchen. Da wird man gut fündig. diese Antenne lässt sich entweder direkt an eine W-LAN Karte oder auch wieder an einen Repeater anschliessen. Zum Ausrichten ist es ganz hilfreich sich eine Karte oder Stick mit entsprechnder Software zu besorgen die die Feldstärke des Signals anzeigt. Dann sucht man sich einen Antennenstandort der möglichst Sichtverbindung zum Router hat. Zu Beachten ist dabei das sich die Funkwellen ähnlich wie Licht ausbreiten. Also nach Möglichkeit sollten keine Bäume oder Gebäude auf der Linie liegen. Die Antenne sollte nach Möglichkeit auch draussen stehen. Ein Standplatz von innen am Fenster ist auch nicht wirklich günstig. Moderne Fenster (selbst die Billigsten aus dem Baumarkt) sind inzwischen mit einer Metallschicht bedampft die den Empfang massiv beeinflussen. Falls die Reichweite eurer Antenne immernoch nicht ausreicht kann man das ganze Spielchen aus andersherum spielen. Stellt bei eurem Nachbarn einen Router auf der auch mit einer "Dosenantenne" ausgestattet ist und richtet nun beide Antennen genau aufeinander aus. Ich habe es geschafft mit so einem "Dosentelefon" eine Distanz von ungefähr einem Kilometer zu überbrücken. Die Verbindung lief absolut stabil über mehrere Jahre. Einzig ich musste den Bewuchs an der einen Antenne immer mal wieder zurückschneiden.

Abschliessend sei noch der Hinweis gegeben je hochwertiger das eingesetzt Equipment ist um so stabiler läuft die Verbindung. Eine schöne Übersicht über W-LAN Antenne findet man auf der Seite www.http://brennpunkt-srl.de der gute Mann erklärt sehr ehrlich und ausführlich die unterschiedlichen Antenne und deren Einsatzzweck. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit Produkten von AVM (Fritzbox) gemacht. Die Geräte sind technisch ausgereift und werden hervorragend mit Updates versorgt. Außerdem könnte man sie als Eierlegendewollmilchsau bezeichnen. Aber ganz unabhängig davon Sollten der Router und der Repeater (sollten sie per Funk miteinander verbunden werden) nach Möglichkeit vom gleichen Hersteller sein. Das erspart einem ne menge Ärger und Frust.

Als Alternative zum W-Lan bleibt noch UMTS/LTE

Falls Ihr vorhabt euren Internetzugang über UMTS oder LTE zu benutzen stellt sich auch dort im ländlichen Bereich oft das Problem das genau da wo Ihr wohnt kein Empfang ist. Das ist ärgerlich aber trotzdem oft zu ändern. Als erstes ist es sinnvoll herauszufinden ob überhaupt die Chance auf Empfang besteht. Dazu bieten die Netzbetreiber auf ihren Homepages Karten an wo die Senderstandorte eingezeichnet sind. Dort kann man auch die ungefähre Netzabdeckung erkennen. Allerdings muss ich dazusagen das die Karten aufgrund mathematischer Berechnungen erstellt wurden und nicht unbedingt den tatsächlichen Empfang darstellen. Gerade im Randbereich gibt es oft große Abweichungen. Für den Fall das ihr mit eurem Stick oder Handy grundsätztlich schonmal ein Signal empfangt aber keine stabile oder nur sehr langsame Verbindung zustande bekommt habt Ihr gute Chancen auf eine gute Verbindung. Benötigt wird ein Stick mit einem externen Antennenanschluss, ein sogenanter Pigtail (Adapterkabel vom Stick zur Antenne) und eine UMTS bzw LTE Antenne. Es gibt verschiedene Arten von Antennen. Je nach vorhandener Signalqualität braucht man eine mehr oder weniger "leistungsfähige" Antenne um eine stabile Verbindung aufzubauen. Eine gute Übersicht über die verschiedenen Antennen findet man auf der Seite www.http://brennpunkt-srl.de dort wird sehr ehrlich und kompetent über die verschiedenen Antennen berichtet. Für besondere Härtefälle bleibt eigentlich nur die Möglickeit eine handelsübliche Satellitenschüssel als Empfangsverstärker zu "missbrauchen". Dazu wird anstelle des Fernsehempfangskopfes eine UMTS bzw LTE Antenne montiert und die Schüssel nicht auf den Satelliten sondern auf den gewünschten Sendemasten ausgerichtet. Das Ganze klingt jetzt fast so einfach wie es in Wirklichkeit ist. Als erstes benötigt ihr eine Satellitenschüssel (größer ist immer gut, wobei die erlaubte maximale Ausgangsleistung der Anlage im Auge behalten werden sollte). Dann benötigt ihr eine dazu passende UMTS/LTE Antenne. Ich persönlich habe schlechte Erfahrungen mit der Möglichkeit gemacht den Stick direkt an der Schüssel zu befestigen. Da der Stick eine unbekannte Abstrahlcharakteristik hat kann es dazu kommen das er die gesammte Energie nicht Richtung Schüssel sondern im schlimmsten Fall genau gegengesetzt aussendet. Was dann dazu führt das euch die größte und schönste Schüssel absolut überhaupt nix bringt. Aber auf einen Versuch kommt es an. Dazu befestigt man den Stick einfach an der stelle wo vorher der LNB gesessen hat. Dann kommt der spannenste Teil, das Ausrichten. Dazu wird die Schüssel nicht wie vorher in richtung Himmel ausgerichtet sondern so dass der Strahlengang horizontal Richtung Sendemast verläuft. Die normal üblichen ovalen Schüsseln mit nur einem Haltearm für den LNB lassen sich manchmal nur mit etwas Improvisationstalent soweit absenken das sie waagerecht schauen. Einfacher sind die Schüsseln auszurichten wo der Empfangskopf von 3 Armen mittig über der Schüssel gehalten wird. Diese braucht dann nur senkrecht gestellt werden und langsam umd die eigene Achse gedreht werden. Dabei sollte man nicht nur den Empfang im Auge behalten sondern auch die maximale download Geschwindigkeit. Die Anzeige der verschiedenen Sticks ist oft sehr ungenau und auch sehr träge. Darum sollte nach jeder Drehung ein wenig gewartet werden bis sich die Werte einpendeln. Manche Sticks brauchen einige Sekunden bis sich die Werte aktualisieren. Ein gutes Helferlein ist das Programm MWCONN von Markus Weber. Inzwischen ist auch eine Version für Linux erhältlich. Nachdem die Ausrichtung erfolgreich abgeschlossen wurde steht nach dem fixieren der Schüssel einem ungetrübten Internetempfang nix mehr entgegen. Bei mir hat eine 120cm Schüssel den Empfang von unter 10% (sehr instabile 50kb) auf gut 60% (bei je nach tageszeit 1500kb) angehoben. Ich habe nun auch stabilen Empfang bei Regen und Nebel was vorher überhaupt nicht ging. Mein Sendemast ist knapp 12km entfernt allerdings ist dazwischen kaum Wald und wenige Häuser. um den gleichen Empfang mit dem nackten Stick zu bekommen muss ich auf ungefär 3-4km an den Masten heranfahren. Falls Ihr dann noch euren UMTS bzw LTE Zugang über W-Lan mit mehreren Leuten teilen wollt bzw auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen wollt bietet sich ein sogenannter UMTS-Router an. Dieser baut die Verbindung zum Netz auf und stellt je nach Ausstattung einen Kabel und/oder W-LAN Anschluss zur Verfügung. Darüber lassen sich problemfrei mehrere Geräte (auch gleichzeitig) mit Internet versorgen. Ich persönlich kann ohne schlechtes Gewissen sämtliche Fritzboxen mit UMTS-Routerfunktion empfehlen (aufpassen nicht alle Boxen mit einem USB Anschluss können auch mit einem Stick umgehen) normalerweise können ab der 72xx Serie alle Boxen damit umgehen. Im Zweifelsfall lässt sich das aber gut online herausfinden. Aufpassen muss man nur mit "gebrandeten" Boxen. Diese sind oft auf einen Netzanbieter beschränkt und lassen dann nicht unbedingt fremde Einstellungen zu. Es gibt aber online genug Anleitungen auch dieses Problem "beheben". Auch wenn es noch so verlockend sein sollte, die sogenannten "Easyboxen" der Firma Vodafone lassen sich zwar relativ problemfrei auch für andere Netze konfigurieren aber in den Punkten Stabilität, Einstellungsmöglichkeiten, Frust und Ärger sind sie Konkurenzlos. Es hat schon seine Gründe warum die in der Bucht für kleinstes Geld verschenkt werden. Desweiteren ist der Stick selbst auch interessant. Ich persönlich benutze ausschließlich Sticks der Firma Huawei. Diese stellen sozusagen den Standard dar. Normalerweise bin ich kein Markenfetischist aber es gibt Situationen da führt kein Weg dran vorbei. Sämmtliche mir bekannten UMTS-Router mit externem Stick arbeiten meines Wissens fast ausschließlich mit Huawei-Sticks zusammen. Allerdings ist bei den Jungs auch nicht alles Gold was glänzt. Die Empfangsleistung der unterschiedlichen Sticks ist gravierend unterschiedlich. Hier eine kleine Liste persönlich getesteter Geräte:

Modell | Empfang | ext. Ant. Anschluss

E352 | gut | ja

E160 | schlecht | ja

E170 | gut | nein

E173 | gut | nein

der E160 ist absolut unterirdisch schlecht (mehrere verschiedene Geräte getestet). Da wo ein E173 noch ein passables Signal hat hat der E160 noch nichtmal mehr Netz. Leider ist der E170 nur noch sehr Schlecht zu bekommen. Als würdiger Ersatz hat sich der E173 herausgestellt. Leider beide ohne externem Antennenanschluss. Der E352 ist vom Empfang einen Hauch schlechter wie seine beiden Brüder dafür aber deutlich schneller und derzeit auch recht günstig und gut zu bekommen. Ich habe derzeit eine Fritzbox 7320 mit einem Huawei E352 und einem UMTS-Parabol Antennenblock in einer 120cm Schüssel im Dauereinsatz und bin vollauf zufrieden damit. Ich habe keine Verbindungsabbrüche und kann sogar VoIP störungsfrei und zuverlässig darüber laufen lassen.

In diesem Sinne frohes Basteln und viel Erfolg

Bei Fragen und Anregungen oder auch falls Ihr Fehler gefunden hab könnt Ihr mich jederzeit unter kleiner-ritter(ät)gmx.de erreichen

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