Eigentlich sollte es keine Baustelle werden...
aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank
Alles fing damit an, dass sich letztes Frühjahr meine Wohnsituation verändern musste... Also erstmal Wohnung gesucht und dabei gemerkt, dass das was ich suche nicht zu finden war, jedenfalls nicht für meinen Geldbeutel. Ich wollte einfach nicht in eine Wohnung mit anderen Leuten rechts und links, über und unter mir, wenn überhaupt Garten, dann ein Fleckchen Rasen an der Strasse, das dann mit anderen zu teilen ist, und irgendwas basteln? Nee, das geht hier gar nicht! Also musste eine andere Lösung her: Bauwagen! Aber bloß keine Baustelle, ich hab dieses Jahr noch was anderes vor, einen einigermaßen bezugsfertigen wollte ich schon. Solche Vorraussetzungen haben bei mir noch nie funktioniert, hätte ich eigentlich langsam gelernt haben sollen...
Einen Platz zu finden ging erstaunlich unproblematisch. Bei Freunden angefragt, die ein Haus in Alleinlage mit Wald besitzen. „Ja, könnten wir uns vorstellen!“ Super! Den ersten Wagen, den ich angeboten bekam, aus dem Freundeskreis, hätte ich schon gerne genommen, aber der war noch bis zum Frühsommer bewohnt, und bis dahin musste ich ja längst bei mir raus sein, also solange erstmal noch weitersuchen. Dann hörte ich, dass bei mir im Dorf noch ein Wagen versteckt sein sollte. Ein Grosser. Aha! Groß ist relativ, schaun wir mal.
Er war groß! Irgendjemand hat mal bei einem Neuaufbau an jeder Seite noch so 25 cm an jeden Träger rangeschweißt, so, dass der Wagen 9,06 m lang und 3,06 m breit war. Plus Dachüberstand versteht sich! Und eigentlich sah er auch ganz passabel aus, bis auf 1-2 Schimmelflecken an der Wand und ne
hässliche Fenstersituation, aber dafür dass er seit Jahren praktisch ungenutzt rumstand...
Okay, gebongt! Aber bewegt der sich noch? Klar, ist vor 13 Jahren hier auch problemlos hergekommen. Seit dem stand er auf den Reifen hier rum! Na dann kann ja nix schiefgehen! Okay... versuchen wir´s!
Und tatsächlich, er bewegte sich erstaunlich gut. Ich hatte nur 10 km vor mir, doch die schlimmsten Reifen wollte ich sicherheitshalber noch gewechselt haben, schnell noch ne Lichtanlage improvisiert und nen Treckerfahrer aufgetrieben, der sich auf das Abenteuer einlassen mochte. Bremsanlage?, Nummernschild? Egal, wir nehmen Schleichwege, das geht schon!
Dann nur schnell noch die schon gerodete Autobahn durch den Wald nochmals verbreitert und schon bald stand meine zukünftige Villa im Grünen da wo ich sie haben wollte.
Also erstmal genauer inspizieren: Die Wände waren mit Sägespäne isoliert. Prima, klingt ökologisch, schaun wir mal an der schimmeligsten Stelle rein. Da musste erstmal einiges neu, soweit, so klar. Und das mit der Elektrik? Hmmmm, eigentlich soll es ja in der Steckdose keine Funken geben, aber....
Nee, lieber raus mit der ollen Späne, sprich: sämtliche Innenwände auf. Dann kann ich ja auch mal nach neuen Fenstern forschen, im Wald ist Licht Mangelware, da will´s wohl überlegt sein. Das dauerte dann doch einige Wochen, solln ja auch nicht nur irgendwelche Fenster sein, wenn man schon neue einbaut, dann solln se ja auch nach aussen aufgehen und Isoglas und so.... Schnell war auch klar, dass zwei der Aussenwände auch nicht mehr zu retten waren, und bevor man da die Flickerei anfängt...
und währenddessen müssen die neuen Fenster noch gestrichen und teilweise ausgebessert und neu eingeglast werden.
Die anderen beiden Seiten waren noch soweit gut erhalten, dass deren Mitsanierung dem Rotstift zum Opfer fallen musste. Auch das Fenster an der Deichselseite wäre fällig gewesen, es war aber keins zu kriegen, welches meinen Ansprüchen genügte und bezahlbar gewesen wäre. Falls ich irgendwann nochmal zu Geld kommen sollte....
auch die andere Seite sollte ja noch neue Fenster kriegen, und dafür hab ich dann zum Glück diese schönen Exemplare geschenkt bekommen.
Zwischendurch konnte ich dann noch den Mann mit der Isoflocmaschine in den Wald locken! Zu dem Anlass habe ich dann auch mal aufgeräumt!
Leider hab ich zu der Zeit aufgehört, die Fortschritte mit Bildern festzuhalten, ich bin aber im Sommer, als der Wagen im Zustand des letzten Bildes war, dort eingezogen. Nicht ganz im ursprünglichen Zeitplan, aber das wäre auch irgendwie unwahrscheinlich gewesen. Seit dem geht’s hier immer mehr voran, je fertiger es wird, desto langsamer...
Aber ich fühle mich mit der Entscheidung für den Bauwagen immer noch sehr wohl und bin froh, dass ich es so und nicht anders gemacht habe!

















