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Wägler weichen

Stadt bietet statt des Areals an der Borsigallee ein neues Zuhause nahe Maintal an

Die Postadresse ist Borsigallee 26 a. Doch 26 a ist nicht das erste von drei Reihenhäusern. Es ist ein ganzes Dorf, knapp drei Hektar groß und zwischen der südlichen Bebauung der Borsigallee und der Kleingartensiedlung Teufelsbruch gelegen. Zu den Bewohnern zählen 40 Männer und Frauen und vier Kinder.

Sie wohnen und arbeiten in ehemaligen Bauwagen, zu Wohnmobilen umgebauten Lastwagen oder in restaurierten Zirkuswagen. Die Tage der "Wägler" aber sind dort gezählt. Sie müssen dem Weiterbau der Autobahn A 66 mit dem Riederwaldtunnel weichen.

Im Dezember 2007 schickte die Stadt die Kündigung. Als Alternative ist die alte Stadtgärtnerei im Osten zwischen Frankfurt und Maintal im Gespräch. Als sich Alfred Gangel jetzt mit einer Abordnung der Bauwagenbewohner an Ort und Stelle traf, machte der Leiter des Liegenschaftsamtes seinen Gesprächspartnern klar: "Wir haben an allen vier Ecken nach Ausweichstandorten gesucht. Als tragfähigste Alternative hat sich dieses Gelände erwiesen."

Räumung wegen Tunnelbaus

Es wäre groß genug und stünde sofort zur Verfügung. Auch die Leute vom Bauwagendorf wissen, "dass das Angebot mangels Alternativen kein schlechtes ist". Gleichwohl gibt es Bedenken. Die Anbindung der Stadtgärtnerei an den Nahverkehr ist miserabel. Am derzeitigen Platz liegt die U7 vor der Haustür. Künftig müsse man mit dem Rad 15 Minuten bis zur U-Bahn-Station Enkheim fahren.

Dennoch sehen viele der Bewohner zu dem Ersatzstandort keine echte Alternative. Das Plenum des Vereins "Besser Wohnen", der die Bewohner seit 1995 vertritt und Vertragspartner für die Stadt und Behörden ist, hat entschieden, mit der Stadt über Details zu verhandeln. So würden die Bauwagenbewohner am liebsten Gebäude der alten Baumschule wie sanitäre Einrichtungen oder Gemeinschaftsräume übernehmen.

Liegenschafts-Chef Gangel ist zu Zugeständnissen bereit: "Die können sich unter Schallschutzaspekten den besten Platz aussuchen." Allerdings will er dem Verein nicht das gesamte Areal überlassen: "Die brauchen keine zehn Hektar." Einen Teil beansprucht das Stadtplanungsamt als naturschutzrechtliche Ausgleichfläche. Gangel knüpft den Grundstückstausch an eine klare Bedingung: "Die neue Fläche wird es nur geben, wenn die Räumung des alten Areals gesichert ist. Ein zweites Rödelheim darf es nicht geben."

In Rödelheim hatte die Polizei 1993 ein von zumeist Jugendlichen bewohntes Bauwagendorf gewaltsam geräumt, weil sich die Bewohner geweigert hatten, den Platz trotz rechtskräftigen Räumungstitels zu verlassen.

VON WOLFGANG SCHUBERT, 18.04.08

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