25 Jahre leben im Wagen

aus Wagendorf, der freien Wissensdatenbank

1.Oktober 1982 - 1.Oktober 2007

25 Jahre im Auto leben.

Eine Gedankenreise über die Leichtigkeit des Lebens von Free-living Jonson

Heute ,vor 25 Jahren bin ich ausgezogen aus der heilen Welt. Raus aus der Betonschachtel. Rein in meinen VW Bus. Klein, damals schon uralt, aber mein. Seitdem gehts meistens recht ruhelos durch die Welt mit so allerlei Gefährten. Mal ne gute Bleibe, mal ein Umzug ins neue Heim...größer..Immer größer. Wie die reale Welt halt auch. Später, nach dem VW Bus kam ein LT 28 LKW. Der Ausbau war schnell erledigt, Sperrmüll rein und fertig. Keine Heizung, kein Licht..Teelichter werdens schon richten.. Kurz vor der Bundeswehr kommt der erste Düdo - Mercedes 508..riesig.. Kurzer Radstand, ohne Hochdach. Drinnen kann ich schon fast stehen, habe ein Wasserbecken, eigeneToilette und einen Kleiderschrank. Der Düdo ist uralt, schlecht gepflegt und mit seinen kleinen Fenstern nicht gerade ein Traum. Irgentwann bin ich mit dem in Paris mit Motorschaden liegengeblieben.8 Freunde dabei,...und jetzt? Also alle schieben und jeden "dicken" Antrampen. Nach 7 Tagen Düdotrampen sind wir schliesslich echt zuhause angekommen. Der kaputte Düdo ist noch lange mein Immobile. Ein Zirkus kommt eines Tages daher und schiebt Schein für Schein für den Rosthaufen rüber ...Ein neuer Düdo- auch schon 15 Jahre alt kommt als neue Hauptwohnung in mein Leben. Da ich ja auch lernfähig bin, diesmal einer mit langem Radstand und Hochdach.Dusche, Warmwasser, Gasheizung....Der Winter verliert seinen Schrecken...Wir bleiben ein langjähriges Paar. 3 mal Sahara, Nordkapp, Portugal, Ostanatolien, Syrien, Jordanien.Der Düdo läuft und läuft....Dann ein Experiment.

Eine neue Firma zahlt meinen Umzug?????Was denn???und eine Wohnung für 8 Monate. Ich lebe wieder in 4 Wänden mit Fussbodenheizung, jedem erdenklichem Luxus und Lampen , die am Kabel baumeln, nicht aufgebauten Ikea Möbeln, hallenden Wänden. Nachbarn- alle schon tot, ohne erkennbares Leben in sich...Kein Platz für Musik..Nichtmal Vögel zwitschern mehr..Keine erfrohrenen Füsse mehr. Keine leeren Gasflaschen mitten in der Nacht...Unglaublich-fliessend Wasser und eine Badewanne-kahl. Das Bad einfach leer. Kein Düdo mehr. Keine Ölfinger. Nichts....Bin ich auch schon Tod, wie meine Nachbarn?

231 Tage Einzellhaft- 24 Std Ausgangssperre.... Dann ists vorbei, das Experiment...Freiheit taucht wieder auf. Ich bekomme für ganz kleines Geld einen Mercedes 1622. Ein Bekannter hat einen super Adria Wohnwagen( auch schon 25 Jahre Alt) Beides feiert in einer 8 stündigen Prozedur Hochzeit. Damals nur mal schnell als Provisorium angelegt, erweist sich das "Kultmobil" ungeahnter Qualitäten. Billig, leicht und Groß. Alles wird mal schnell umgebaut...Ein ewiger Prozess über 10 Jahre. Das Kulti bringt mich in 61 Länder der Erde. 613412km zusammengelebt...Was für ein Auto...Manche, die es kennen, sagen-was für ein Schrott. Hässlich, klapprig,unstabil.Beim Sahara Willi treffen wirds zum schlechtesten Wagen in Deutschland gewählt...Die haben alle keine Ahnung...Zum "Lebensende" der Ritterschlag der Reisenden. Das weitgereistests Auto der DZG. Alle 5 Erdteile...nie eine richtige echte Panne, mal abgesehen von den tagtäglichen Reperaturen mit Tape,Silikon und Draht....Ich weiss--wenn ich mal Zeit habe , mach ichs gscheid.. Die Trennung ist kurz und Schmerzvoll. Stehe bei einem Freund , der einen O302 hat und Schimpfe über so einen Bus. Zu groß, zu teuer, Rost usw. Am nächsten Tag kauf ich mir eine Fahrbücherei O303 - 12m lang 18 Tonnen schwer....Wer soll das verstehen.

Jetzt wird ausgebaut. Endlich eine Luxusbude. Fussbodenheizung. Kachelofen 300lLiter Wasser, Französisches Bett. 3 Monate nur schrauben und dann die erste Ausfahrt. Es soll nach Griechenland gehen. Mit nen Segelboot auf dem Anhänger. Naja- der Kahn ist 20,5 m lang. Auch eine Herausvorderung.

8km vor der Fähre ist alles zuende. Ein Geisterfahrer sucht sich mich aus und beendet sein Leben in meiner Wohnung. Ich höre nur noch den Rettungshubschrauber. Mir bleibt das blanke Leben. Sonst nichts. Dessert Mike holt mich mit einem Sprinter Tage später in Ancona ab.Der Schrotthaufen wird geflädert.In Deutschland räumt Moni für mich ein Zimmer aus. Eine Bleibe fürs erste.Klamotten trudeln ein von Freunden. Ich bekomme Hilfe von allen Seiten. Noch heute fallen Glassplitter aus einigen Büchern und Fotoalben.

Ein Magirus Deutz 160 ANW betritt die Bühne. Schon ausgebaut. Also,8 std einräumen und zum Shock verdauen wieder auf Reise, zurück zum Ort des Crash. Auf Tour dann umbauten ohne Ende. Wieder 3 mal Sahara. Naher Osten. Nordcap. Zwischendurch immer wieder Arbeiten in China.5 Sterne Hotel. Mandarin Oriental-ein Traum..Nicht für mich. Es fährt so schlecht, so ein Hotel..Die Freundin zieht mit in den Magirus. Jetzt ist alles voll. Trennung von jeder Menge liebgewonnener Dinge. Es geht so mit dem Platz. Am meisten braucht der Hund...immer im Weg.

Ein Zirkuswagen taucht auf. Logisch, der Maggie hat ja ne Hängerkupplung und die soll man nutzen...Scheibchenweise der Umzug in die Villa. Platz ohne Ende, aber auch Gewicht und Spritverbrauch ohne Ende. Freiheitsliebe kennt ab jetzt nur noch Parkplätze mit mindestens 30m länge und genügend Platz zum Rangieren....Der Radstand vom Magirus machen jedes Wendemanöver zum Albtraum.

Ein kurzer MAN kommt vorbei und darf nun sein einstiges Bundeswehrleben mit Abenteuern als Zugmaschine aufpäppeln. Mit dem MAN gehts dann auch mal bischen auf Tour. Nach 45000km ist die kurzer MAN Liebe verblasst.

Bei Ebay wird ein 1217 ersteigert. Reifen finden sich am Därrtreffen. Den Aufbau steuert ein Freund bei. Die neue Zugmaschine ist fertig und wartet auf Abenteuer. Erste Ausfahrten in die Hohe Tatra lassen Befürchtungen aufkommen. Der Dicke will und muss in die Sahara.....???Hatten wir das nicht schon mal?? Ach ja! Wenn ich so rausschaue ists ganz deutlich. Dr Winter kommt. Die Freundin hat 3 Monate Urlaub genehmigt...Der Dicke wird sein natürliches Recht auf Sand unter den Reifen bekommen...Ich höre Ihn Jeden Tag wiehern..Lass mich wegfahren..Die Fremde sehen..Brav bleiben. Nur noch ein paar Tage und Du darfst weiterziehen------und es wird so bleiben.


Wer sich neben uns stellen will, überlegt es sich meistens nochmal und dreht dann ab. Die

Vollkasko Gesellschaft schaut oft auf freie Menschen wie auf Aussätzige. Wohnbunker

Menschen, Arbeiter Regale- für mich ists so , als würden die Talentlosesten in einen Raum

gepfercht und bei Arbeitslager und Brot gezwungen Ihr Leben viereckig und graugrau

abzusitzen. Ihre Welt ist einfach so eingerichtet, behütet, beschützt, mit allen

Versicherungen- Vollkasko.

Ich sehe einen geeigneten Platz für die Nacht und verspüre den Wunsch weiterzufahren.

Das klingt absurd, aber weiterfahren lößt bei mir ein Gefühl von Euforie aus. Weil es die

Vorstellung von Unabhängigkeit suggeriert. Hier könnte ich Übernachten, dort aber auch.

Ich bin ein freier Mensch, weil ich wenig habe( jedenfalls weniger als die meisten in

Deutschland )und doch so unendlich viele Möglichkeiten.

Wagenleben------------das leben wagen.

Auf die nächsten 25 Jahre.



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